Erhalten – Verdichten – Weiterbauen

FS 2021 Semesteraufgabe - Titelbild, (ab)Normal, Commissioned artwork, Swiss Architecture Museum, Basel, 2018

Einführung: Dienstag, 23. Februar 2021, 10:00 Uhr, ZOOM

Zürich ist in einer aussergewöhnlichen Situation: die Stadt hat seit Jahren ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum und eine damit einhergehende, dynamische Bauentwicklung. Momentan leben 420‘000 Menschen in der Stadt, 2040 könnten es nach vorsichtiger Schätzung 520‘000 sein. Gleichzeitig mit dem Bevölkerungswachstum steigen auch die Arbeitsplätze. Heute gibt es kaum noch Flächen, die neu überbaut oder umgenutzt werden können. Freihalte- und Erholungsgebiete sollen auch in Zukunft erhalten bleiben und die Transformationen der ehemaligen Industriegebiete ist beinahe abgeschlossen. Um die Herausforderung der stetig wachsenden Bevölkerungszahlen zu meistern, hat die Stadt im Richtplan 2040 ein räumliches Konzept einer inneren Verdichtung erarbeitet, das Gebiete mit möglichen Verdichtungspotentialen aufzeigt und Strategien beschreibt, wie man diese nachhaltig und qualitätsvoll umsetzen kann.

In diesem Zusammenhang hinterfragen wir die gängige Praxis der Verdichtung mit Ersatzneubauten und geben dem Bestand im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung mehr Gewicht. Wir suchen nach Lösungen, wo auch unter dem Druck einer Verdoppelung der Ausnützung der Bestand erhalten bleibt, indem er umgedeutet und neu belebt, renoviert und umgebaut, erweitert und aufgestockt wird. Der Bestand als Teil der Geschichte der Stadt wird vermehrt als wichtige kulturelle Ressource für die Gestaltung der Zukunft gesehen und das gespeicherte, soziale, strukturelle, räumliche und bildhafte Potential für die neuen Projekte aktiviert. Oft liefert die Sperrigkeit bestehender Bauten Denkanstösse für neue Lösungen und Entdeckungen. Es gilt, die richtige Balance zwischen Alt und Neu zu finden und Heterogenität, Gegensätze, Massstabssprünge als Teil der zukünftigen Stadt zu akzeptieren.

Der Fokus richtet sich auf Altstetten, das im Richtplan als das Quartier mit hohem Verdichtungspotential im Westen Zürichs ausgewiesen ist. Es ist gemessen an der Bevölkerung und Fläche das grösste Quartier der Stadt und hat die meisten Arbeitsplätze. Mit dem kleinsten Anteil an Gründerzeitbauten und dem grössten Anteil von Neubauten seit 1990 ist es ein sehr heterogenes Quartier, das sich dynamisch entwickelt hat. Fünf unterschiedliche Areale sind als Entwurfslabors ausgewählt, jedes mit einer eigenen städtebaulichen Zielsetzung. Der Neumarkt Altstetten soll das Quartierzentrum um den Lindenplatz stärken, das Farbhofareal eine Platzsituation als westliches Tor zu Altstetten schaffen, das Hero Gebäude ein weiterentwickelter Stadtbaustein im Dienstleistungsquartier des Bahnhofs werden, das Bachwiesenareal die Gartenstadtvision trotz Verdichtung beibehalten, das Freihofareal die qualitätsvolle Heterogenität eines städtischen Gevierts aufzeigen. Die Areale zeigen die Unterschiedlichkeit des Quartiers: das Farbhofareal befindet sich im Westen, das Freihofareal im Osten der Badenerstrasse, das Bachwiesenareal im Süden, das Heroareal im Norden der Altstetterstrasse. Am Kreuzungspunkt der beiden Hauptachsen liegt der Neumarkt Altstetten.

In Anbetracht der heutigen stadträumlichen Defizite zwischen neueren Arealüberbauungen werden nicht nur die Übergänge von öffentlichen, halbprivaten und privaten Aussenräumen innerhalb der Areale, sondern auch die Beziehung der Areale zur Umgebung und zum Stadtkörper behandelt. Da die Qualität des Freiraumes bei der Verdichtung wesentlich ist, sollen Höfe und Räume zwischen Gehsteigen und Hauskanten nutzbar und zugänglich gemacht werden und der Öffentlichkeit und den Eigentümern gleichermassen von Nutzen sein.

Sinnvolle Nutzungsmischung, neue Arbeits- und Wohntypologien, geeignete Erdgeschossnutzung, neue Tragstrukturen, intelligente Gebäudehüllen, Begrünungen, innovative Energiekonzepte und Reuse/Recycle/Upcycle Konzepte sind für den Entwurf entscheidend. Diese Themenschwerpunkte werden mit Vorträgen, Workshops und Besichtigungen vertieft. Eine Kollektion von Texten und Referenzbeispielen wird während des Semesters fortlaufend erweitert und steht als Dokument allen zur Inspiration zur Verfügung.

Mit der Einstiegsübung «Bild – Form» wird dem Bestehenden spielerisch intuitiv nachgespürt und das richtige sehen gelernt, in der ersten Kritik wird das Konzept in einer prägnanten Darstellung zusammengefasst. Diese Resultate werden kontinuierlich weiterbearbeitet und sind Teil der Schlussabgabe. Die Projekte werden an den Schlusskritiken mit Gästen und dem Lehrstuhl in der Bandbreite von Konzeptidee, städtebaulicher und architektonischer Präsenz, Umgang mit dem Bestand sowie der Qualität der Aussen- und Innenräume besprochen.

Entwurf in 2er Gruppen
Fakultativ wird eine Vertiefung der Konstruktion als integrierte Disziplin angeboten.

Tischbesprechungen dienstags/mittwochs
3 Zwischenkritiken, Schlusskritik.

Assistenz: Kathrin Sindelar, Moritz Holenstein, Stefan Jos, Ania Tschenett

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